Pfingsten: “damit es anderen nützt”

,

Zum Pfingstfest – 25 Jahre Priesterweihe

Vom Nutzen von Taufe und Firmung

Was habe ich davon? Was bringt’s? Wieso eigentlich? – Fragen, die ich mir oft genug stelle, bevor ich irgendwas in Angriff nehme. Fragen, deren Antworten mir Sicherheit bieten; Fragen, deren Antworten, hab ich sie einmal für mich parat, helfen, Wege zu gehen auch dann, wenn es schwierig wird. Wer weiss, warum er oder sie etwas will, geht leichtfüssiger durch tiefe Motivationstäler hindurch, als wenn diese Fragen verdrängt oder nicht beantwortet sind. – Jedem aber wird die Offenbarung des Geistes geschenkt, damit sie anderen nützt: Die Pfingstbotschaft spricht nun eine seltsam andere Sprache. Gottes Geist wird jedem und jeder von uns zum Weiterreichen zuteil – also nicht zum Gut oder zur Verfügung des Empfängers oder der Empfängerin, sondern der Heilige Geist fährt ein, damit aus seinem Wirken etwas für andere entsteht. Als Begeisterte sind wir also nicht nur Beschenkte, sondern mindestens genauso Botinnen und Boten, wir sollen weiterschenken, weitermachen. Das Wirken dieses Geistes Gottes entsteht nicht aus uns, sondern aus dem Umstand heraus, dass Gottes Begeisterung nicht nur eine Gabe ist, sondern auch eine Aufgabe, in die ich und wir alle als Christinnen und Christen in Taufe und Firmung mit hineingenommen sind.

Von der Nachhaltigkeit der göttlichen Begeisterung

Der Ursprung dessen ist dieses große Fest, von dem wir in der Lesung aus der Apostelgeschichte hörten: Und alle wurden vom Heiligen Geist erfüllt und begannen, in anderen Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab. Die Apostelgeschichte lässt uns wissen: Gottes Geist erfasst jede und jeden, der sich diesem Geist in den Weg stellt, der dem Wehen standhält, der aushält, was diese Gotteskraft mit ihm anrichtet, damit er anderen nützt. Und wenn die Erkenntnis dessen so langsam um sich greift, dann passiert Pfingsten. Nicht ein einziges mal einem Saal zu Jerusalem, sondern immer wieder quer durch die Kirche und ihre ganze Geschichte. – Naja, manchmal habe ich schon das Gefühl, aus dem Brausen des Sturmes von Jerusalem ist inzwischen so ein kleiner seichter Föhnwind geworden, der hier und da bisschen kirchliche Frischluft bewirkt, aber sonst nicht so richtig zieht.

Wenn wir aber mal ganz genau hinschauen, müssen wir ja feststellen: Das war am Aufbruchsfest vor über 2000 Jahren auch nicht so viel anders. Als der Heilige Geist durch den Pfingstfestsaal geweht ist, hat Jerusalem nicht gewackelt. Da war wohl ein Fest der Begeisterung in diesem Raum, aber der Nachklang kam schon wesentlich leiser und geerdeter daher. Im Zuge des Pfingstfestes haben sich wohl unzählige Zeuginnen und Zeugen auf den Weg gemacht, um weiterzutragen, was ihnen geschenkt wurde – damit es anderen nützt. Aber das alles geschah nicht auf der grossen Bühne der Welt, sondern zunächst einmal in kleinen Schritten. Und das Gehen der Begeisterten funktionierte nicht immer nur leichtfüssig, kostete immer wieder auch Kraft, manchmal sogar ein ganzes Leben. Und doch hat es funktioniert – bis heute. Und doch lassen sich immer wieder – bis in unsere Zeit – Begeisterte anspornen von dieser Triebfeder ‘Heiliger Geist’, um zu bewirken, dass Reich Gottes, von dem Jesus erzählt hat und schliesslich mit seinem Leben eingestanden ist, damals und dort sowie hier und heute zu einer Erfahrung der Menschen werden kann.

Und nun?

Hier und heute? – Wenden wir ein wenig den Kopf – weg von dem Geschehen im Saal zu Jerusalem hin zu einer Kirche in unserer Gegenwart und fragen nochmals: Was ist denn nun aus der feurigen Begeisterung von einst geworden? – Wenn ich mit dieser Frage ein wenig durch unsere kirchliche Gesellschaft von heute gehe, erlebe ich verschiedenste Antworten. Mit Blick auf die katholische Konfession dieser Kirche ist sicher so manches Augenmerk gerichtet auf Skandale und Missbrauchsfälle – das ist und bleibt ein Verbrechen an Menschen und ein Missbrauch der Botschaft vom guten Leben, für die diese Nachfolgegemeinschaft Jesu doch eigentlich Zeugnis ablegen will. Doch Kirche ist nicht zuerst Missbrauch und Skandal, sondern sie ist eine Glaubensgemeinschaft, in der leben soll, was der Geist angerichtet hat. – Wie aber kann das gehen?

Nicht Quantität sondern Qualität

Habt Mut, steht auf – unter diesem Motto aus der Geschichte vom blinden Bartimäus ging vor wenigen Tagen in Würzburg der 104. Deutsche Katholikentag zu Ende. Zigtausende Menschen haben wieder einmal Fragen des Glaubens gestellt, Frust und Freuden in der Kirche miteinander geteilt, das Leben als Nachfolgegemeinschaft Jesu intensiv erlebt. Ich fuhr mit vielen anderen heim mit einer Erfahrung von Heiligem Geist im Gepäck, die anspornt, die lebendig macht, die wissen und spüren lässt: An dieser Botschaft, die die Mitte unseres Glaubens ausmacht, ist was dran. – Mir ging es dann wie vielen anderen: Mit einem Herz voller Begeisterung trennt man sich, um kurz danach im Alltag erleben zu müssen, dass dort das Umfeld diese eigene Begeisterung wenig oder gar nicht versteht und teilt. Das gilt selbst für das kirchliche Umfeld der Teilnehmenden. Darüber kann man jetzt frustriertes Klagen anstimmen – oder man kann es als Aufgabe wahrnehmen – wir erinnern uns: Jedem wird die Offenbarung des Geistes geschenkt, damit sie anderen nützt. Erfahrungen wie nach einem Katholikentag kann man nicht nur dort haben. Ich habe es selbst immer wieder erlebt – seit der Mitarbeit in der ehrenamtlichen Kirchenarbeit zur Jugendzeit: Solche Erfahrungen machen alle, die sich zusammenfinden in ähnlich gearteten Stimmungslagen, um Glauben miteinander zu teilen und zu leben – sei es in den heimischen kirchlichen Gruppen, sei es auf Veranstaltungen in Pfarreien, in den Diözesen oder in der Weltkirche, oder eben auch in 25 Jahren Dienst in der Kirche – es ist dieselbe Erfahrung, wie sie jene Menschen mitbekommen haben, auf die im Saal des Pfingstereignisses zu Jerusalem der Heilige Geist herabgekommen ist: Auch sie sind ja hinausgegangen, haben sich von der Realität auf Jerusalems Strassen einholen lassen, haben vermutlich dabei auch so manche kalte Dusche und vor allem politischen Gegenwind erlebt und sie haben dann in diese Wirklichkeit hinein, die sie da umgab, ihre Begeisterung getragen. So nützt Offenbarung allen. Damals wie heute.

Achtung!

Ein letzter Gedanke zu einem grossen Unterschied zwischen der Situation Pfingsten 2026 und dem Urpfingsten. Als die begeisterte Jüngerschar den Pfingstsaal zu Jerusalem verlassen hat, um ihre Begeisterung mit anderen zu teilen, haben sie festgestellt, dass da wohl auch recht viel Skepsis und Ablehnung war. Hingegen haben sie aber nicht erlebt, dass sie mit ihrer eigenen Botschaft in irgendeiner Weise zum Schlechten verführt wurden. Heute ist das anders. Wenn in unserer Zeit etwa ein amerikanischer Präsident mit der Hand auf der Bibel seinen Amtseid ablegt, um schon am nächsten Tag aus vollster Überzeugung vor den Augen der Weltöffentlichkeit den Inhalt dieser Schrift mit Füssen zu treten, ist der Nutzen der Offenbarung offensichtlich in eine Schieflage gekommen. Sein Beispiel und das vieler anderer seiner Gesinnungsgenossen – auch in unserer eigenen Gesellschaft – lädt uns ein zur steten Unterscheidung der Geister. Nicht alles also, was das Etikett ‘Heiliger Geist’ trägt, hat auch tatsächlich Heiligen Geist zum Inhalt.

Ohne dein lebendig Wehn kann im Menschen nichts bestehn, kann nichts heil sein noch gesund, so heisst es in der Pfingstsequenz. Lassen wir uns an diesem Pfingstfest einmal mehr aussenden in unsere ganz eigene persönliche Welt, um dort Botinnen und Boten dieser Frohbotschaft zu sein.

0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert