Mai 12

Kirche sein – Über Mut, Phantasie und Verantwortung

Zum 5. Sonntag der Osterzeit – Lesejahr A

_wsb_200x228_Ostern1108Was ist eigentlich los
In diesen fünfzig Tagen nach Ostern feiert die Kirche so etwas wie eine Zwischenzeit. Und es ist eine schwierige Zeit, der sich all die Menschen damals nach Jesu Tod stellen mussten. Sie sind mit ihm gegangen, sie haben seine Worte gehört – vielleicht haben sie sie verstanden, vielleicht nicht. Sie haben Anteil gehabt an dieser Begeisterung, die Jesus in Galiläa und überall ausgelöst hat. Sie waren seine Fans. Sie mussten nicht lange überlegen, was er für sie bedeutet. Er war einfach da und hat sie in seinen Bann gezogen. Sie haben sich von seiner Gegenwart tragen lassen.

März 30

Wie sich Ostern anfühlen könnte

Zum 5. Sonntag der Fastenzeit – Lesejahr A

Auferweckung – Wellness auf religiös?
Wer nach einem wunderschönen Urlaub, einem erfolgreichen Wellness-Aufenthalt oder was auch immer für einem Vergnügen zu sich kommt und alles noch einmal in der Rückschau geniesst, sagt doch oft: “Ich fühle mich wie neu geboren.” Das Leben fühlt sich nicht nur anders an, es ist auch ein Stück anders. Der Körper funktioniert irgendwie anders – und das ist selten nachmessbar. Auch der Geist funktioniert tickt anders. Plötzlich fällt die Bewältigung von Aufgaben einfacher, es ist wieder Kraft da, auch Dinge in den Angriff zu nehmen, die man vorher eher zum Weglaufen fand. Alles geht wieder.  Man ist wieder in der Lage, seine Welt zu gestalten. Wege tun sich auf, die man vorher nicht sehen konnte. Sich wie neu geboren zu fühlen, meint auch: Leben zu spüren, wo vieles vorher abgestorben war.

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Februar 13

Der Mensch denkt und Gott lenkt? – Über Gesetz und Freiheit

Zum 6. Sonntag im Jahreskreis – Lesejahr A

Gott an den Zügeln des Lebens
“Der Mensch denkt und Gott lenkt” – wer kennt diesen Satz nicht, der sich an das sechzehnte Kapitel des alttestamentlichen Buches der Sprüche anlehnt. Immer wieder führen wir ihn auf den Lippen, wenn wir erfahren müssen, dass wir zwar unsere Vorstellungen vom Leben und unsere Wünsche ans Leben haben, aber dass es oft ganz anders herauskommt. Vor allem fällt uns dieser Satz leicht auszusprechen, wenn wir tief in unseren Herzen zugeben müssen, dass unsere Vorstellung vom Leben eigentlich recht schief war und trotzdem alles am Ende gut heraus gekommen ist.
“Der Mensch denkt und Gott lenkt” – der Satz ist wie die eine von zwei Seiten einer Medaille, – diese Worte heissen doch auch: Am Ende ist es immer nur Gott, der unser Leben regiert, bestimmt, lenkt und leitet. – Ja klar, denn: Welcher fromme Mensch würde das schon verneinen. Und doch stellt sich die Frage: Warum sollen wir denn dann überhaupt noch denken? Warum sollen wir uns überhaupt noch entscheiden? Warum sollen wir Verantwortung für unser Leben übernehmen? Das ist ja wohl dann höchst überflüssig.
Heisst die Alternative  gar wirklich so: Fromm sein oder aber das Leben selbst gestalten? Das Alte Testament schein es uns so vor zu machen – und wir haben es oftmals tief in unsere Herzen eingepflanzt. (mehr …)

Dezember 20

Der Stephanus-Prozess – Kollateralschaden oder Wesensmerkmal der Heilsgeschichte?

Zum Fest St. Stephanus

Die Störung der Engel
Immer am zweiten Feiertag erleben wir den Prozess des ersten Märtyrers Stephanus. Ein Konfliktfall der frühen Kirche, der sich in einem heiklen Umfeld abspielte. Stephanus war Jude und Christ zugleich, ausserdem griechischsprachiger Herkunft und somit nicht gebürtig aus dem Heiligen Land.  Als Fremde hatten solche Einwohner in Jerusalem kein Anrecht darauf, im Falle irgendeiner sozialen Schwierigkeit Unterstützung durch die Jerusalemer Tempelgemeinde oder durch die anderen Synagogengemeinden zu erfahren, wenn sie diesen Gemeinden wegen ihres neuen Christseins nicht angehören wollten. Aus diesem Umstand heraus entwickelte sich unter den ersten Christen fremder Herkunft also die Notwendigkeit, ein Sozialsystem zu entwickeln, mit dem man den Bedürftigen entgegen kam, die durch die sozialen Netze der Stadt Jerusalem durchfielen. Man legte diese Aufgabe innerhalb der frühen  christlichen Gemeinde in die Hände von sieben Männern, welche „von gutem Ruf und erfüllt von Geist und Weisheit“ waren, wie das in der Apostelgeschichte heisst. Ihr Dienst war zugleich von geistlicher wie von sozialer Art: Zum einen trugen sie die Frohe Botschaft und das Eucharistiesakrament aus der Versammlung der Gläubigen zu jenen, die an der Versammlung nicht teilnehmen konnten, zum anderen schauten sie nach deren Bedürfnissen. Somit kamen die Diakone natürlich auch mit Notstand, Ungerechtigkeit und anderen Missständen in Kontakt und nahmen daran Anteil.

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